der Schummlauer

Die Elstraer Geschichten

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Auch Elstra hatte einst ein Heimatmuseum

Wahrscheinlich angeregt durch die Verluste beim Brand des Elstraer Schlosses begann der Bür-gerverein Elstra 1903 etwas zum Erhalt heimatgeschichtlich interessanter Dinge zu tun. Im Januar 1904 erschien in der Kamenzer Zeitung im damaligen Sprachgebrauch: „Nachdem der unterzeich-nende Stadtrat beschlossen hat durch allmähliche Sammlung ein Stadtmuseum einzurichten und Herr Zieschank es in uneigennütziger Weise übernommen hat, über das Vorhandensein geeigneter Gegenstände in hiesiger Stadt und Umgebung Erörterungen anzustellen und zu davon Erlangung für den gedachten gemeinnützigen Zweck die nötigen Schritte zu tun.“

Vor nunmehr über 100 Jahren, am 1. Pfingstfeiertag 1913 erfolgte die Eröffnung einer „Ausstel-lung von Altertümern“ in einer Stube des Fleischermeisters Emil Horn am Markt.

Ab 1914 bekam das Museum einerseits bedeutsame Spenden und Leihgaben, andererseits konnten aber keine geeigneten Ausstellungsräume gefunden werde. So „wanderte“ die Ausstellung durch mehrere Privathäuser der Vereinsmitglieder.
Mit dem Wohnhaus des Buchdrucker Carl Menzel, Kamenzer Straße, brennt 1925 auch das Muse-um ab. Vieles konnte gerettet werden, manches war durch Löschwasser beschädigt oder danach verschwunden. Es begann aber ein Neuaufbau, wieder mit zahlreichen Spenden. Im Januar 1929 übernahm die Stadt des Heimatmuseums, es wurde ins Rathaus verlegt und der Elstraer Bürger-meister Franz Rauchfuß veröffentlicht ein ausführliches Bestandsverzeichnis. In 18 Kapiteln wer-den vorgeschichtliche Urnen, Handwerkserzeugnisse, Kunstwerke bis hin zu Goldmünzen aufge-zählt. Für die Zeit danach liegen mir kaum gesicherte Daten vor.

Von 1944, 2.3. schreibt der Bürgermeister: „In Beantwortung der Anfrage vom 24.v. Mts. teile ich mit, daß ich das bisher im Rathaus zu Elstra untergebrachte Heimatmuseum (Heimatstube) nach einem weniger gefährdeten Grundstück in Elstra umgelegt habe.“ Dieses soll (nach Kronberger) Schulgasse 100 (ein Zimmer und eine Kammer) bei Anna Herden gewesen sein.
Den Krieg scheint das Museum überstanden zu haben, sonst wäre ein Schreiben 1951 überflüssig. Herr Coblenz (Dresden) meldet: „Wie uns berichtet wird, ist das Ortsmuseum Elstra auf einen Be-schluß des Stadtverordnetenkollegiums aufgelöst worden. Es befanden sich dort u.a. Ölgemälde, vorgeschichtliche Gefäße und alte Urkunden. z.Zt. sollen die Exponate auf dem Boden des Rathau-ses lagern. Nach vertraulicher Mitteilung besteht die Absicht, die Bestände zu veräußern. Wir glau-ben, daß diese der Allgemeinheit gehörenden Dinge auf keinen Fall verschwinden dürfen und bit-ten um Einleitung entsprechender Schritte.“ Dies scheint kein Gehör gefunden zu haben, denn 1960 schreibt die Ortschronistin Lotte Kronberger: „Bestände, die leider durch Verkauf in alle Welt verstreut wurden.“

Dass Goldmünzen, Handwerksgerät u. ä. den Weg in dunkle Kanäle fanden, ist irgendwie nach-vollziehbar, wer braucht aber vorgeschichtliche Urnen, die nicht einmal als Blumenvase taugen?

Vor Jahren haben es dankenswerterweise die Schüler der Elstraer Grundschule übernommen, alte Gegenstände zu sammeln. Nun sind wieder im Schulhaus vier Räume sehr schön „nach alter Art“ gestaltet und können nach Anmeldung besichtigt werden.
Seit der Wende befinden sich einige Reste (des ehemaligen Museums?) im Rathaus Elstra bzw. auf dem Boden in der Grundschule. Wertvoll sind besonders die Wappenschilder des Reihenschankes, die, genau wie anderes, mal gereinigt und registriert werden sollten.

Ob sich Elstra wieder einmal ein Heimatmuseum leisten will?

Ausstellung von Gemälden des Heimatmuseums (undatiert)

Sammlung Elstraer Keramik im Schulmuseum