der Schummlauer

Die Elstraer Geschichten

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120 Jahre eigene Zeitung in Elstra

Die ersten Zeitungen für Elstraer Bürger dürften aus Bautzen gekommen sein, seit 1822 war die Kamenzer Wochenschrift zugleich Amtsblatt auch für Elstra. Darüber hinaus gab es Versuche, für kleinere Orte spezielle Zeitungen einzurichten. So sind in Kamenz Elstraer Beilagen bekannt und 1891 gab es einen „Elstraer Anzeiger“, Verlag Ernst Scheibe in Elstra (Druck aber in Bautzen). Ein Exemplar von 1904 scheint der erste Beleg für eine eigene „Elstraer Zeitung“, gedruckt in der Buchdruckerei Franz Kleemann Elstra (97, heute Pulsnitzer Str. 1, damals Eingang am Markt). Bisher ist erst ein Exemplar aufgetaucht, ein Register scheint es nicht zu geben. Diese Zeitung ist entweder wieder eingegangen oder sie wurde nach Übernahme der Druckerei (nunmehr F. W. Brandt) durch Fritz Kuske als neue „EZ“ herausgegeben. Zumindest beginnt Ende 1910 die Zählung als 1. Jahrgang. Die Zeitung war Amtsblatt für Elstra und viele umliegende Orte und scheint recht beliebt gewesen zu sein. Sie war für damalige Einkommensverhältnisse nicht besonders billig, bot aber eine Vielfalt an internationalen bis lokalen Informationen. Sie wurde ergänzt durch Wochenbeilagen und Sonderausgaben mit ausführlichen Beiträgen besonders zur Lokalgeschichte. Viele Informationen, z.B. über die ehemals zahlreichen Vereine auch in kleineren Orten, sind bisher nur aus den Anzeigen und Kurzmeldungen der EZ bekannt. Sie erschien wöchentlich zwei- bzw. dreimal mit acht Seiten Großformat und war professionell gestaltet. Schwer erklärbar ist, wie Fritz Kuske fast allein die Zeitung aktuell gestalten konnte, insbesondere wo er die internationalen Beiträge, Fotos und Karten herbekam und ob und wie er das vielseitige Informationsangebot mit den damaligen Mitteln des Buchdruckes informativ gestalten konnte.

1924 zog die Druckerei in das Haus 151, heute Am Markt 17, aber auch dort waren die Räumlichkeiten sehr beengt. Nach 1933 wurde auch die EZ immer mehr zum Propagandainstrument der NSDAP und ihrer Gliederungen, bis sie ganz eingestellt wurde. Das bisher letzte Blatt ist vom September 1940 bekannt, danach galt in Elstra wieder die Kamenzer Presse.

Eine Recherche ergab, dass etwa drei Viertel aller Exemplare im Stadtarchiv Elstra erhalten sind, einige Reste, die in der damaligen Sächsischen Landesbibliothek den Angriff 1945 auf Dresden überstanden haben, erweitern den Bestand um einige Halbjahre, weitere Exemplare konnten bisher nicht gefunden werden. Da das Papier einer Tageszeitung meist auf minderwertigem säurehaltigem Holzschliffpapier gedruckt wurde, sind die einzigen Exemplare sehr schlecht erhalten und werden nicht mehr ausgeliehen. So wie in Dresden schon geschehen, sollten die Unikate digitalisiert werden, damit die auch vom Inhalt her interessanten und einmaligen Zeitzeugen erhalten bleiben.

Autor

Dr. Gunter Kretzschmar